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Die "4 Ebenen des Zuhörens" und wie sie eure Teamarbeit bereichern können

Was sind die "4 Ebenen des Zuhörens"?


Bei den "4 Ebenen des Zuhörens" handelt es sich um vereinfachtes Modell, dass die unterschiedlichen Qualitäten des Zuhörens darstellt und die dafür erforderlichen Geisteszustände. Sie werden im Buch "Essentials der Theorie U" von Otto Scharmer dargestellt und basieren im Kern den Gedanken von David Bohm's Buch "Der Dialog".


Was steht in der Theorie U zu den "4 Ebenen des Zuhörens"?


Die Theorie U selbst "beschreibt das In-die-Welt-kommen sozialer Wirklichkeit". Otto Scharmer hat dafür verschiedene Ideen zusammengetragen und dabei immer wieder die U-Darstellung gewählt.

Er behandelt unter anderem:

  • 4 Kommunikationsfelder

  • 4 Strukturen der Aufmerksamkeit

  • 4 Felder des Zuhörens

  • 7 Arten des Aufmerksamseins & In-die-Welt-Bringens


Es gibt eine ganze Bewegung zum Thema Theorie U und auch das sogenannte U-Lab, in denen Menschen gemeinsam verschiedene Tools und Methoden ausprobieren können.


Was bei mir jedoch zu einem regelmäßigen Bestandteil von Workshops und Coachings geworden ist, sind in abgewandelter Form die "4 Felder des Zuhörens", die ich üblicherweise als "4 Ebenen des Zuhörens" vorstelle.


Meine Visualisiserung zum ersten Kapitel des Buches "Essentials der Theorie U" gibt es auch in unserem Downloadbereich.



Wieso braucht es eine abgewandelte Form der "4 Felder des Zuhörens" vn Otto Scharmer?


Gute Didaktik steht bei der Wissensvermittlung für mich im Vordergrund. Im Rahmen von Workshops, Trainings und Coachings ist die Zeit jedoch limitiert. Es hat sich in den vergangenen Jahren herausgestellt, dass ich Teilnehmende mehr verwirre, als das ich ihnen einen Gefallen tue, indem ich die "4 Felder des Zuhörens" in einer U-Form darstelle. Denn meistens ist keine Zeit da, um den Mehrwert der U-Form ebenfalls abzuleiten. Für eine erste Berührung mit dem Thema, finde ich deshalb eine Reduktion der Komplexität sinnvoll. Wer danach neugierig ist, kann sich dann immer noch ins Thema vertiefen.


Wie sieht die einfache Darstellung der "4 Ebenen des Zuhörens" aus?


Die "4 Ebenen des Zuhörens" stelle ich gerne mit einer Figur da, die auch jeweils die Voraussetzungen für das Erreichen der Zuhörebene visualsiert (siehe unten). Die hier verschriftlichten Definitionen der vier Ebenen sind meine eigenen Wortlaute - so wie sie sich über die letzten Jahre als mehrwertstiftendsten in Trainings, Workshops und Coachings erwiesen haben:


  1. Downloading: Die Zuhörende Person filtert nur die Informationen aus dem Gespräch heraus, die sie in ihrer eigenen Weltsicht bestätigen. Diese Form des Zuhörens braucht nicht viel Energie und sie ist auch umgekehrt die Folge von fehlender Präsenz, Achtsamkeit und Energie.


    Beispiel: Man ist gerade vertieft in eine Aufgabe und der/ die Kollegin steht an der Tür und bittet um einen Gefallen. Man bejaht diesen im ersten Moment, nur um später nachzufragen, worum es ging, weil man eigentlich doch nicht zugehört hat.


  2. Debatte: Dabei handelt es sich um ein faktisches zuhören, mit denen widerlegende Informationen wahrgenommen werden, jedoch oft die Zuhörende Person unbewusst das Ziel hat, recht zu haben. Dadurch kann eine Debatte entstehen, in denen beide Parteien versuchen ihre Position zu verteidigen.

    Damit diese neuen Informationen bemerkt werden können, bedarf es einer Öffnung des Kopfes/ des Geistes, d.h. eines Vermögens, neue Informationen als solche zu erkennen. Dies bedarf deutlich mehr Energie als ein reines Downloading.


    Beispiel: In einem Meeting versuchen zwei Teilnehmende ihre Idee durchzusetzen, ungeachtet ob es die beste Lösung für die Organisation ist.


  3. Empathischer Dialog: Um auf die Ebene des empathischen Dialogs zu kommen, braucht es zusätzlich noch eine Öffnung des Herzens. Was zunächst einmal esoterisch klingt, macht symbolbildlich absolut Sinn: Damit ich mit jemandem mitfühlen kann, brauche ich in irgendeiner Form eine emotionale Verbundenheit in diesem Menschen, sodass ich mich in die jeweile Situation hineinversetzen kann.

    Ein früherer Vorgesetzter von mir hat einmal zu mir gesagt, dass ich an jedem Menschen mindestens eine Eigenschaft finden muss, die ich ehrlich wertschätzen kann, sonst ist eine gute Zusammenarbeit nicht möglich. Denn nur, wenn ich anerkenne, dass die Erlebniswelt der anderen Person eine echte Daseinsberechtigung hat, möchte ich nicht mehr einfach nur recht haben, sondern gehe den ersten Schritt zu einer gemeinsamen Lösung:


    Beispiel: Zwei Teilnehmende haben in einer Retrospektive unterschiedliche Lösungsansätze. Sie erkennen, dass beide Ansätze aus ihren unterschiedlichen Positionen heraus ihre Daseinsberechtigung haben und jeweils Vor- und Nachteile bringen. Die Spannung wird als solche wahrgenommen und anerkannt, auch wenn noch keine passende Lösung im Raum steht.


  4. Schöpferischer Dialog: Um in einen schöpferischen Dialog zu treten braucht es nicht nur die Öffnung von Kopf und Herz, sondern auch von der Hand, also dem Willen. Hierfür benötigen die Teilnehmenden noch einmal zusätzliche Energie, um von ihren eigenen Standpunkten loszulassen und gemeinsam mit all den vorhandenen Informationen eine neue, bisher vielleicht noch nie dagewesene Lösung zu entwickeln. Das kann jedoch nur funktionieren, wenn alle Beteiligten ihre Ego beiseite legen und ein echtes Interesse an einer gemeinsamen Co-Kreation haben.


    Beispiel: Die Teilnehmenden aus der Retrospektive lösen sich von ihren jeweils vorgeschlagenen Lösungen, sammeln noch einmal in Ruhe alle Fakten und Annahmen und designen einen ganz neuen Lösungsansatz, der so viele Anforderungen wie möglich erfüllt. Es gibt keinen einzelnen Schöpfer der Idee mehr, sondern die Lösung ist eine gemeinsame Leistung aller beteiligten.





Welchen Unterschied macht es, die "4 Ebenen des Zuhörens" im Team zu kennen?


Viele Missverständnisse oder Konflikte in einem Team entstehen dadurch, dass eine Partei ein Anliegen hat, das eine tiefere Ebene des Zuhörens bedarf, während die andere Partei gerade so sehr in ihrer Arbeit oder anderweitig eingespannt ist, dass sie dem anderen nur auf einer oberflächlichen Ebene begegnen kann.

Beide waren dann zwar gemeinsam in einem Meeting, aber es hat nicht wirklich zum gewünschten Ergebnis geführt.


Indem Teammitglieder ein gemeinsames Verständnis der "4 Ebenen des Zuhörens" haben, können sie vorab zu einem Gespräch die Rahmenbedingungen optimieren. Allein schon der Hinweis "Ich brauche die morgen in dem Meeting in einem schöpferischen Dialog!" kann dazu führen, dass die Teilnehmenden besser mental vorbereitet in ein Meeting gehen.


Denn ich kann als Sender von Informationen noch so klar und umsichtig kommunizieren: Wenn mein Gegenüber gerade nicht aufnahmefähig ist, kommen wir trotzdem nicht weiter.


Entsprechend sensibilisieren die "4 Ebenen des Zuhörens" auch für mehr Achtsamkeit im Arbeitsalltag. Sie zeigen auch auf, wie wichtig es ist, selbst regelmäßig in sich hineinzufühlen und Verantwortung für die Optimierung der eigenen Rahmenbediungen zu tragen. Ob Schlaf, Sport, Wasserzufuhr - es gibt Bestandteile unseres Lebens, die uns zu einer/m besseren Zuhörer:in machen, die außerhalb des Einflussbereichs von Organisationen liegen.


Wie schafft man es, einen Rahmen zu setzen um auf tiefere Ebenen des Zuhörens zu gelangen?


Der klassische Meeting-, Workshop-, und Retrospektiveaufbau zahlt genau darauf ein, diese Tiefe zu erreichen.


  • Check-In: Das bewusste Ankommen in einen Raum mit Menschen kann bereits einen großen Unterschied machen. Je nach anschließendem Thema, kann ein Check-in darauf einzahlen, von vorherigen Aufgaben loszulassen, Verbundenheit in der Gruppe zu spüren oder Gemeinsamkeiten mit anderen zu erkennen. Das zahlt jeweils darauf ein, dass die Teilnehmenden präsenter sind und hoffentlich leichter auf eine Ebene des empathischen oder sogar schöpferischen Zuhörens gelangen.

    Eine Sammlung mit Check-Ins findest du in unserem Blogbeitrag.


  • Erfolgsfaktoren: In dem man gleich zu Beginn der gemeinsamen Zeit alle in die Verantwortung zieht, einen guten Rahmen zu setzen, erhöht man die Wahrscheinlichkeit eines tiefen Zuhörens enorm. Wir führen dafür gerne Erfolgsfaktoren ein, wie beispielsweise "Gönn' deinem Handy eine Pause". Dabei erklären wir, dass alle (und nicht nur die moderierende Person) einen Beitrag für ein erfolgreiches Meeting leisten. Indem wir in der gemeinsamen Zeit wirklich beieinander sind und die Beantwortung von E-Mails oder Chatnachrichten auf die Pause verlegen, können wir maßgeblich die Qualität des Austausches erhöhen.

    Unsere Erfolgsfaktoren im leadventure Design findest du in unserem Shop.


  • "4 Ebenen des Zuhörens vermitteln": Stelle die "4 Ebenen des Zuhörens" vor uns lass die Teilnehmenden individuell reflektieren, wo sie sich aktuell befinden und was sie brauchen, um auf eine tiefere Ebene zu gelangen.


Wir werden hier bald noch weitere Impulse für eine erfolgreiche Rahmensetzung teilen - so viel aber nun schon mal für den Start :)


Viel Freude beim Ausprobieren!

 
 
 

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