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Hidden Puzzle

Wie gut sind deine Teilnehmenden aktuell darin, ein Vorhaben zu planen, sich an die vereinbarte Planung zu halten und bei Bedarf ein neues Vorgehen zu erarbeiten?


Das Serious Game „Hidden Puzzle“ ist eine hervorragende Übung, um genau diese Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.


Ich habe es erstmals auf der play4agile 2022 erlebt. Dort hat es der italienische Facilitator Fabio Tognetti moderiert und es war definitiv mein Highlight dieser Konferenz.


Was ist Hidden Puzzle?


Beim Hidden Puzzle bekommen die Teilnehmenden die Aufgabe, ein Puzzle zu lösen, wobei sie vorab nicht wissen, wie viele Teile oder welche Form es hat. Dabei bekommen die Teilnehmenden jeweils ein oder sogar mehrere Puzzleteile, die jeweils in einem Umschlag „versteckt“ sind. Nur die Person, die das Puzzleteil in die Hand bekommt, darf es sehen. Die richtige Reihenfolge der Puzzleteile wird durch das verbale Beschreiben der Puzzleteile ermittelt.





Hidden Puzzle
Selbst scheinbar simple Motive sind eine Herausforderung, wenn man nur verbal kommunizieren kann


Welches Material wird benötigt?


Das Material für dieses Serious Game ist überschaubar:


  • Riesen-Boden-Puzzle Puzzle mit 24 Teilen (ich habe 24 Teile verwendet, es existieren auch Riesen-Boden Puzzle mit 36 Teilen, die für eine größere Gruppe gegebenenfalls interessant sein könnten)

  • 24 C4-Briefumschläge (für DIN A4 Dokumente)

  • Stoffbeutel (optional)

  • Flipchart

  • Stifte

  • Stoppuhr


Puzzle-Wahl:


Die Kunst ist es, ein Motiv zu finden, dass nicht zu anspruchsvoll ist (da die Teile versteckt sind), aber dennoch anspruchsvoll genug.

Hier sind ein paar Links zu meiner Meinung nach geeigneten Motiven verschiedener Anbieter:



Tatsächlich gibt es keine Seite im Internet, auf der man eine gute Übersicht aller Boden-Puzzle-Motive bekommt. Sollten dir die vorgeschlagenen Motiven nicht zusagen und du auch kein weiteres für dich passendes Motiv finden, kannst du dir auf der Seite von Ravensurger einfach selbst ein sogenanntes „Mammut“ Puzzle mit 24 Teilen drucken lassen.


Briefumschläge:


Ich habe bei den Briefumschlägen die offene kurze Kante und eine seitliche lange Kante aufgeschnitten, sodass sich eine offene Mappe ergeben hat. Jedes Puzzleteil wird in solch einen Umschlag gesteckt. Damit ich die 24 Umschläge samt Puzzleteilen nicht im originalen Puzzlekarton transportiere und somit die Teilnehmenden gegebenenfalls versehentlich das Motiv sehen, habe ich sie in einen Stoffbeutel gelegt.


Flipchart, Stifte und Stoppuhr:


Flipchart und Stifte werden für die Planungsphase der Gruppe benötigt, sodass vereinbarte Punkte zum Vorgehen bei Bedarf notiert werden können. Da die Gruppe am Ende der Planungsphase eine Schätzung abgibt, wie lange sie voraussichtlich für die Fertigstellung des Puzzles benötigen, kann die tatsächliche Spielzeit im Anschluss mithilfe einer Stoppuhr festgehalten werden. Alternativ kann auch ein Timer (beispielsweise ein visueller TimeTimer) die Zeit runterzählen.


Für wie viele Teilnehmende ist das Hidden Puzzle geeignet?


Das Hidden Puzzle eignet sich (bei einem 24-teiligen Puzzle) für 8 bis 24 Personen. So erhält jeder Teilnehmende maximal drei Puzzleteile auf die Hand.


Welche Regeln gibt es beim Hidden Puzzle?


Regel Nr. 1: Schreiben und schriftliches Festhalten von Ideen und Inhalten ist nur während der Planungsphase erlaubt


Regel Nr. 2: Man darf nur das eigene Puzzleteil/ die eigenen Puzzleteile einsehen


Regel Nr. 3: Ein Teil, das einmal verdeckt auf dem Boden abgelegt wurde, darf nicht mehr eingesehen oder verschoben werden

 

Wie ist der Spielablauf von Hidden Puzzle?


Schritt 1: Vermitteln der Aufgabenstellung durch den Facilitator


Die Teilnehmenden bekommen als ersten die Aufgabenstellung vermittelt. Ich habe das bisher in etwa wie folgt angekündigt:


„Ihr seid ein Projektteam und ich beauftrage euch mit folgendem Projekt: Eure Aufgabe ist es, ein Puzzle zu lösen. Jede/r von euch wird ein bis drei Teile, für die er/sie Expert:in ist zugeteilt bekommen. Die Puzzleteile sind dabei jeweils verdeckt und nur der/ die Expert:in kann das jeweilige eigene Puzzleteil einsehen. Ein Tausch oder die Weitergabe der Puzzleteile ist nicht gestattet. Die richtige Reihenfolge des Puzzles ermittelt ihr rein durch den verbalen Austausch, also die mündliche Beschreibung der Puzzleteile. Sobald ihr euch sicher seid, dass ihr die richtige Position eines Puzzleteils gefunden habt, könnt ihr dieses verdeckt auf den Boden legen. Ein Puzzleteil das einmal auf dem Boden liegt, darf nicht mehr eingesehen oder verschoben werden.


Ihr bekommt nun Zeit, um die Umsetzung dieses Projektes zu planen. Dafür könnt ihr euch am Flipchart Notizen machen. Ich benötige am Ende eurer Planungsphase eine Schätzung, wie lange ihr für das Zusammensetzen des Puzzles benötigen werdet. Sobald ich die Schätzung habe, erhaltet ihr die Puzzleteile und ihr könnt mit der Umsetzung eures Projektplans starten. Die Benutzung des Flipcharts oder anderweitige schriftliche Kommunikation ist nach dem Austeilen der Puzzleteile nicht mehr gestattet.


Natürlich erwarte ich als eure Auftraggeberin, eine perfekt gelöstes Puzzle als Arbeitsergebnis. Sobald alle Puzzleteile verdeckt auf dem Boden in eurer ermittelten Reihenfolge liegen, decken wir sie gemeinsam auf und schauen uns das Arbeitsergebnis an.“

 

Schritt 2: Planungsphase


Planung Hidden Puzzle
Die Planungsphase beim Hidden Puzzle (Meetup in München, April 2024)


In diesem Serious Game gibt es nur eine Planungsphase die man wahlweise zeitlich begrenzen kann oder so lange laufen lässt, bis das Team eine Schätzung von sich aus liefert. Bisher habe ich immer die zweite Variante angewendet, wobei die Teams nach ca. 30 Minuten eine Schätzung abgegeben haben. Solltest du in deinem Workshop zeitlich begrenzt sein, sollte eine Planungsphase von 10-15 Minuten auf jeden Fall ausreichend sein.


Der/die Facilitator kann sich während der Planungsphase Notizen zu beispielsweise folgenden Fragestellungen machen:


  • Welche Annahmen wurden getroffen?

  • Wie wurden Entscheidungen getroffen?

  • Haben sich bestimmte Rollen in der Gruppe bereits in der Planungsphase gefunden?

  • Was genau wurde schriftlich festgehalten – Rollen, Kommunikationsregeln, Entscheidungsprozesse, Annahmen?

  • Wie war die Kommunikation in der Gruppe während der Aufgabenstellung?

  • Wer hat geführt und wann?

  • Wie wurde die Schätzung für die Umsetzungsdauer festgelegt?


Schritt 3: Zeitschätzung abfragen


Der/ die Facilitator fragt die geschätzte Projektdauer, also Dauer für die Fertigstellung des Puzzles, ab. Diese wird entsprechend beispielsweise auf dem Flipchart schriftlich festgehalten. In meinen bisher durchgeführten Hidden Puzzles lagen die Schätzungen zwischen 25 und 45 Minuten. Solltest du zeitlich limitiert sein, kannst du vorab bei der Anmoderation auch eine Maximalzeit nennen, um in deinem Zeitplan zu bleiben.

 

Schritt 4: Austeilen der Puzzleteile


Damit das Motiv des fertigen Puzzles nicht versehentlich gesehen wird, transportiere ich die Puzzleteile bevorzugt in einem Stoffbeutel. So ist auch nicht erkennbar, wie viele Teile es insgesamt sind. Pro Person verteile ich zwischen einem und drei Puzzleteilen. Es muss keine Gleichverteilung sein. So habe ich beispielsweise auch bereits in einem Fall einigen Teilnehmenden nur ein Teil gegeben und anderen dafür drei. Diese Ungleichverteilung der Verantwortlichkeiten kann im wahlweise im anschließenden Debrief besprochen werden.


Schritt 5: Umsetzungsphase



Diskussion Hidden Puzzle
Die Teilnehmenden sehen erstmals die Puzzleteile


Nun beginnt die Spielzeit. Wichtig ist, die Zeit zu stoppen, um für das anschließende Debrief zu wissen, wie gut die Schätzung war.


Als Facilitator kannst du dir erneut Notizen zu beispielsweise folgenden Fragen machen:


  • Wie gut hält sich die Gruppe an die vereinbarte Vorgehensweise?

  • Welche zuvor besprochenen Punkte bewähren sich in der Umsetzung?

  • Welche Annahmen bestätigen sich?

  • Welche Herausforderungen ergeben sich, die zuvor in der Planung nicht bedacht wurden?

  • Halten sich die Teilnehmenden an die eventuell zuvor vereinbarte Rollenverteilung?

  • Wie gehen die Teilnehmenden damit um, wenn sie Puzzleteile erhalten haben, die an unterschiedlichen Enden des Puzzles liegen?

  • Wie ist die Kommunikation im Team? (inklusive Redeanteile)

  • Wie werden Entscheidungen getroffen?

  • Wie ändert sich die Energie der Teilnehmenden im Verlauf der Übung?


Je nach Rahmenbedingungen, kannst du das Spiel nach Ablauf der zuvor geschätzten Spielzeit beenden oder die Gruppe auch überziehen lassen.

Kurze Erinnerungen zu vergangenen oder verbleibenden Zeit dienen der Gruppe als Orientierung.


Die tatsächliche Spielzeit hängt auch stark von der Gruppengröße ab, wobei meine Erfahrung sagt: Je kleiner die Gruppe, desto länger die Spielzeit, da eine einzelne Person bis zu drei Teile haben kann. Als Orientierung: ich hatte Spielzeiten von beispielsweise 30 Minuten bei 24 Personen und 45 Minuten bei 10 Personen.


Schritt 6: Aufdecken der Puzzleteile


Sobald alle Puzzleteile auf dem Boden liegen, können sie aufgedeckt werden. Ich fange meist an einer Ecke, die vermutlich richtig gelegt wurde, an und gehe dann die Reihen einzeln durch. Dabei ermutige ich die Teilnehmenden, nach jedem aufgedeckten Teil, das richtig gelegt wurde, zu applaudieren.


Schritt 7: Debrief


Debrief Hidden Puzzle
Erkenntnisse aus dem Hidden Puzzle Debrief (Meetup in München, April 2024)

Der wichtigste Teil eines Serious Games ist das Debrief im Anschluss. Hierzu kann man den Teilnehmenden eine Reihe von Reflexionsfragen anbieten, die bestmöglich zur aktuellen Herausforderung im Team passen. Diese können sich im Fall vom Hidden Puzzle beispielsweise auf folgende Themen beziehen:


  • Kommunikation

  • Führung

  • Entscheidungsfindung

  • Befolgen eines zuvor erstellten Plans mit limitierten Informationen

  • Rollenverteilung


Ich verteile auch gerne im Rahmen des Debriefs die Debriefing-Karten von Julian Kea.

 

Typische Erkenntnisse des Hidden-Puzzles sind:


  • „Wir hätten zu Beginn einen Facilitator bestimmen sollen.“

  • „Wir haben es nicht geschafft, diszipliniert einander zuzuhören.“

  • „Unser Plan ist nicht aufgegangen, wie haben es aber nicht geschafft, uns auf einen neuen zu verständigen.“

  • „Es ist schwierig an zwei verschiedenen Enden des Puzzles zeitgleich sein zu müssen.“

  • „Wir haben uns missverstanden: Was für den einen lila ist, ist für den anderen blau.“


Das Team betrachtet dabei sowohl die Punkte, die gut liefen, als auch Optimierungspotenzial, das ihnen aufgefallen ist.


Um dieses Debrief nun in den Kontext der eigenen Arbeitssituationen zu transferieren, braucht es in jedem Fall noch eine entsprechende Frage, wie beispielsweise:


„Welche Herausforderungen aus der Übung begegnen dir auch in deinem Arbeitsalltag?“


und


„Was können wir in unserer alltäglichen Zusammenarbeit ändern, damit uns diese Herausforderungen nicht mehr begegnen?“


Diese Fragen dienen natürlich nur als Inspirationen und können an den eigenen Bedarf angepasst werden.


Ich möchte mit meinem Team das Hidden Puzzle erleben


Solltest du nun Lust haben, das Hidden Puzzle auch mal mit deinem Team zu erleben, kannst du es einfach mithilfe dieses Blogbeitrags selbst durchmoderieren.


Falls du dir eine externe Moderation dazu wünscht, schreib uns einfach eine Nachricht an team@leadventure.de

 

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